Das vierte Quartal 2018 – sehr turbulent, das erste Quartal 2019 – sehr turbulent, und wer davon ausging, dass ja auch mal wieder etwas mehr Ruhe an den Börsen einkehren wird, der wurde enttäuscht. Seit unserem letzten Newsletter im März wurden die Börsen weiterhin zum großen Teil durch die Politik bestimmt. Fondsmanager schauen bei ihren Entscheidungen aktuell mehr auf die politischen Entwicklungen als auf die wirtschaftliche Lage. Viele sind der Meinung, das größte Störfeuer kommt dabei einmal mehr vom US-Präsidenten Donald Trump. Immer wieder gelingt es ihm mit einem seiner berühmt berüchtigten Tweeds die Börsen in Aufregung zu versetzen. Aber das ist es nicht allein, schauen wir uns die Entwicklungen der letzten Monate an.

Der Dax ist seit seinem diesjährigen Höchstkurs Anfang Juli zwischenzeitlich wieder um ca. 10 Prozent gefallen. Eine tägliche Schwankungsbreite von 200 Punkten war seitdem eher normal. Interessant ist, dass die Aktienmärkte weltweit gefallen sind, Deutschland und Europa aber deutlich stärker als die USA oder der Weltaktienindex MSCI. Auslöser des Kursrückganges war die Mitteilung von Präsident Trump, dass man sich mit China in den Handelsstreitigkeiten doch nicht einig wird und neue Zölle erhoben würden. Kurz darauf reagierte China mit einer ähnlichen Maßnahme.

Die Weltwirtschaft leidet bereits und viele Prognosen bescheinigen aktuell ein geringeres Wirtschaftswachstum, die Vokabel Rezession macht die Runde. Volkswirte und Analysten aus den unterschiedlichsten Wirtschaftsinstituten, Banken und Anlagegesellschaften gehen allerdings nicht von einer Rezession aus. Bei nachlassender Dynamik in der Wirtschaft ergreifen Regierungen und auch die Währungshüter der Länder in der Regel Maßnahmen zur Stimulierung der Konjunktur. Daher hat die amerikanische Notenbank entgegen ihrer Prognosen, erstmalig seit 10 Jahren die Zinsen gesenkt, anstatt sie wie geplant in 2019 weiter anzuheben. Die EZB deutet ein ähnliches Vorgehen an. Diese Impulse sollen die Wirtschaft und damit die Aktienmärkte unterstützen.

Wenn nur diese politischen Unsicherheiten nicht wären: Handelskonflikte, Brexit, Italien, Iran, Syrien… Aber sie gehören zum Börsenalltag genauso dazu, wie die Psychologie an den Märkten. Profitiert hat seit Juni das Gold. Der Preis für die Unze ist aktuell auf ca. 1.530 USD gestiegen, ein Plus von 19 Prozent seit Jahresbeginn. Auch die Rentenmärkte haben sich in 2019 sehr gut entwickelt, fallende Zinsen lassen die Kurse steigen. Wer darauf spekulierte, dass die Ölpreise explodieren, da sich die Situation am Persischen Golf zuspitzte, wurde enttäuscht. Die Verhältnisse auf dem Ölmarkt haben sich verschoben. Auch die OPEC ist nicht mehr so mächtig, wie sie es noch in den 70er Jahren war. Der größte Ölproduzent ist inzwischen die USA. Wie könnte es an den Märkten weitergehen? Trump braucht Erfolge in seiner Wirtschaftspolitik, gerade jetzt, da das Wachstum nachlässt.

Ein toller „Deal“ mit China käme gerade recht, daher sollten die Parteien weiter an einer Lösung arbeiten.

Auch der BREXIT beschäftigt uns weiterhin – die meisten Analysten sind der Meinung, dass das längst in den Kursen eingepreist ist, mit oder ohne EU-Vertrag. In Italien scheint mit der neuen Regierung Hoffnung auf mehr Berechenbarkeit und Stabilität einzuziehen. Es könnten von der politischen Seite ein paar positive Signale kommen. Die Marktmeinung ist, dass die Zinsen weiter fallen. Das alles wären positive Effekte für die Märkte. Von der Wirtschaft gibt es weiter sehr gemischte Daten. Die einen Konjunkturbarometer zeigen nach Süden, andere nach Norden. Bei den Quartalsergebnissen der Unternehmen sahen wir einige Überraschungen,  positive und negative. Fazit – eine eindeutige Tendenz ist weiter nicht zu erkennen und auch die große Volatilität wird uns wohl erhalten bleiben.