Seit unserem letzten Newsletter im September 2019 hat die amerikanische Notenbank die Zinsen zweimal gesenkt, aktuell liegt der Leitzins bei 1,5-1,75 %. Die wirtschaftlichen Rahmendaten in den USA sehen nicht mehr ganz so rosig aus, daher sahen wir in diesem Jahr bereits die dritte Zinssenkung, statt wie im Dezember 2018 angekündigt drei Zinserhöhungen.

Die Leitzinsen sind neben dem Handelskonflikt zwischen den USA und China auch weiterhin das Thema an den Börsen. Christine Lagarde, die neue Frau an den Geldhebeln Europas, hat ebenfalls eine weiterhin lockere Geldpolitik der EZB angekündigt. Das sollte den Aktienmarkt auch weiter stützen.

Betrachten wir die Entwicklung der Unternehmen im 3. Quartal 2019 in den USA. Bei 74 % der Unternehmen des breiten S&P 500 wurden die Gewinnerwartungen der Analysten übertroffen. Das sieht nach einem sehr guten Ergebnis aus! Allerdings muss man berücksichtigen, dass die Erwartungen auf Grund der schwierigen Weltwirtschaftslage im Vorfeld auch deutlich reduziert wurden. Die Gewinnerwartungen wurden übertroffen, trotzdem musste ein Gewinnrückgang gegenüber dem gleichen Quartal des Vorjahres von 2,4 % festgestellt werden. Auch für das 4. Quartal rechnen viele Analysten mit sinkenden Gewinnen, erst das 1. Quartal 2020 soll dann die Wende bringen.

Hier in Europa überraschten im 3. Quartal die deutschen Autobauer – positiv! Es wurden deutlich mehr Autos verkauft und der Gewinn war besser als erwartet. Da sich Handelskonflikte auf eine Exportwirtschaft wie Deutschland natürlich besonders negativ auswirken, war diese Entwicklung schon bemerkenswert. War das nur eine Sternschnuppe am grauen Konjunkturhimmel? Der IWF hat in seinem Herbstgutachten für das Jahr 2019 für die Weltwirtschaft ein Wachstum von 3%, für 2020 3,4% prognostiziert. Von den verschiedenen Wirtschaftsinstituten werden sehr unterschiedliche Kennziffern und Prognosen veröffentlicht, auch die Frühindikatoren lassen derzeit keine eindeutige Tendenz erkennen. Für die Anleger war das Jahr 2019 bisher gut. Der Aktienmarkt hat sich sehr gut entwickelt, trotz der oftmals nicht sehr positiven fundamentalen Daten. Die Rentenmärkte konnten von den Zinssenkungen profitieren und verbuchten ebenfalls gute Gewinne. Im Detail betrachtet gab es natürlich erhebliche Unterschiede zwischen den Regionen und Branchen. Breit aufgestellte Depots waren wieder auf der Gewinnerseite.

Bei aller Freude dürfen wir aber auch nicht vergessen, dass wir im Jahr 2018 auf breiter Front stark fallende Kurse gesehen haben und damit die Basis für die Entwicklung in diesem Jahr sehr niedrig war. Wagen wir einen Ausblick in die Zukunft. Zwei Themen die im Jahr 2020 eine große Rolle spielen sollten: Nachhaltigkeit und Emerging Markets! Anlagen, die den sogenannten ESG-Kriterien entsprechen, werden weiter gefragt sein, da sind sich die Analysten einig. Für institutionelle Kunden sind diese Kriterien schon seit längerem wichtig, inzwischen fragen auch viele Privatanleger nach. Die Verschärfung gesetzlicher Bestimmungen könnte diesen Anlagen ebenfalls Auftrieb geben. Die Investition in die Emerging Markets, besonders die asiatischen Länder, halten viele Investmentgesellschaften für sehr aussichtsreich. Sollte, wie von vielen prognostiziert, der US-Dollar schwächer werden, profitieren davon die Aktien und Anleihen dieser Staaten. Durch die protektionistische Zollpolitik der USA und die offensive Handelspolitik Chinas, denken wir an das Projekt der Seidenstraße, bilden sich in der Welt neue Handelswege und Allianzen heraus. Das sollte die wirtschaftliche Entwicklung in diesen Ländern beschleunigen.

Neben den Handelskonflikten gibt es von politischer Seite genügend Potential, um die wirtschaftliche Entwicklung zu torpedieren oder zu befördern. Im Mittelpunkt werden sicher die USA stehen – die Präsidentschaftswahlen am 03. November 2020. Wie entwickeln sich nun die Aktienmärkte im nächsten Jahr? Bemühen wir an dieser Stelle einmal die Statistik: Wahljahre in den USA sind überdurchschnittlich gute Aktienjahre, allerdings bei erhöhter Volatilität! Also, wie die Amerikaner sagen, genießen Sie die Show!

In diesem Sinne – Frohe Weihnachten und einen guten Rutsch ins neue Jahr.