Die Briten haben am 23. Juni mit einer knappen Mehrheit von 51,9 Prozent zu 48,1 Prozent für den Austritt Ihres Landes aus der Europäischen Union votiert. Bereits am ersten Tag, dieses für die Marktteilnehmer letztendlich doch überraschenden Ausgangs, hat es ein regelrechtes Beben an den globalen Finanzmärkten gegeben.

Die wichtigsten Indizes wie der Eurostoxx 50, der Dax sowie der Nikkei verloren zu Handelsbeginn zweistellig. Zwar konnten sich die Indizes im Tagesverlauf ein wenig von den Tiefständen erholen, aber mit     minus 6,8 Prozent verzeichnete der Dax den höchsten Tagesverlust seit der Lehman-Brothers Pleite von 2008. Noch dramatischer sah es beim europäischen Pendant Eurostoxx50 aus, der mit einem Tagesverlust von 8,62 Prozent aus dem Handel ging. Besser schlug sich der amerikanische Aktienmarkt. Der Dow Jones und der S&P 500 verloren „lediglich“ 3,9 bzw. 4,5 Prozent.

Die Verunsicherung war auch am Devisenmarkt mehr als spürbar. Das britische Pfund notiert mittlerweile zum USD auf dem niedrigsten Stand seit 30 Jahren. Neben dem USD konnten auch der japanische Yen sowie der Schweizer Franken als sichere Häfen deutlich zulegen. Als größter Gewinner dieses Referendums ging der Goldpreis hervor. Das Edelmetall profitierte zum einen von seiner Eigenschaft als Krisenwährung und zum anderen von der Erwartung, dass die US-Notenbank die Zinsen nun noch später als bisher angenommen erhöhen könnte. Statt vier Zinserhöhungsschritte erwarten die Experten nur noch 2 –      andere Aussagen gehen sogar von keiner weiteren Erhöhung aus. Das wird auch mit der nachlassenden Dynamik der US-Wirtschaft begründet, zumal die zuletzt veröffentlichen Arbeitsmarktdaten in den USA hinter den Planzahlen der FED lagen.

Derzeit wird das Börsengeschehen eindeutig vom politischen Geschehen geprägt. Der bevorstehende Austritt Großbritanniens aus der EU, die damit einhergehende wirtschaftliche Unsicherheit und nicht zuletzt die Angst über weitere Austrittsbegehren anderer EU-Länder halten die Börse in Atem. Die Geldpolitik sowie die Unternehmensnachrichten werden aktuell in den Hintergrund gestellt.

Wir gehen davon aus, dass wir in einer Phase enorm gestiegener Volatilität die Ruhe bewahren müssen. Ein Grund dafür ist, dass politische Ereignisse – und seien Sie noch so bedeutsam –historisch betrachtet auch schnell wieder von der Tagesordnung verschwinden können. Ein weiterer Grund ist die Zuversicht und das Vertrauen darauf, dass sich die beteiligten Länder bemühen werden, den wirtschaftlichen Schaden so gering wie möglich zu halten. Eine langfristige Anlagestrategie sollte grundsätzlich nicht auf kurzfristige Ereignisse ausgerichtet sein. Vielmehr könnten diese auch eine besondere Chance für taktisch orientierte Anleger bedeuten.