Die Situation ist zweifellos historisch und dementsprechend gibt es für den Austritt eines Landes aus der EU noch kein erprobtes Verfahren. Wie es jetzt weitergehen könnte und was der Brexit aus Anlegersicht bedeutet, wird in diesem Beitrag näher erläutert.

Es war absehbar, dass ein solches politisches Ereignis Auswirkung auf die internationalen Kapitalmärkte hat. In der ersten Reaktion am Tag nach Bekanntwerden des Brexit-Referendums, gingen die globalen Indizes auf Sinkflug. Die starken Tagesverluste haben sicherlich bei vielen Anlegern Erinnerungen an die Lehman Brothers Pleite aufkommen lassen, welche den Höhenpunkt der damaligen Finanzkrise markieren sollte. Doch im Gegensatz dazu handelt es sich beim „Brexit“ nicht um ein plötzliches Ereignis, einen sogenannten „schwarzen Schwan“, denn das Referendum war schon seit längerem bekannt und die Marktakteure konnten sich im Vergleich zu 2008 rechtzeitig auf beide Szenarien vorbereiten und dementsprechend positionieren. Diese Anzeichen spiegelt auch der deutsche Aktienindex wieder, denn dadurch, dass der Dax im Vorfeld des Referendums bereits deutlich zulegen konnte, hat er gerade mal die Gewinne der Vorwoche abgegeben und markiert ein Kursniveau wie Anfang Juni und Anfang Februar 2016. Doch wie geht es jetzt weiter?

Fakt ist, dass der Ausgang des Referendums nicht automatisch den Austritt der Briten aus der EU bedeutet, da er noch nicht rechtswirksam ist. Für einen tatsächlichen Austritt müsste zunächst Artikel 50 der EU-Verfassung angewendet werden. Dieser räumt den betroffenen Parteien zwei Jahre Zeit für den Austritt ein. Zusätzlich ist eine Fristverlängerung möglich. In dem Zeitraum können die Austrittsbedingungen zwischen Großbritannien und der EU verhandelt werden. Im Anschluss daran muss das Austrittsabkommen mit einer qualifizierten Mehrheit der verbliebenen 27 Mitgliedstaaten beschlossen werden. Anschließend muss das EU-Parlament dem ebenfalls zustimmen. Sollte kein Abkommen zustande kommen und eine Fristverlängerung nicht gewährt werden, könnte Großbritannien zwei Jahre nach der Anwendung des Artikel 50 ungeregelt aus der EU ausscheiden. Es ist also wahrscheinlich, dass sich die Austrittsverhandlungen über einen längeren Zeitraum hinziehen werden. Welche Folgen hat dies aus Anlegersicht?

Bedingt durch die unklare wirtschaftliche und politische Zukunft sowohl Großbritanniens als auch der EU, werden die kurzfristig orientierten Anleger zunächst das Tagesgeschehen bestimmen und die Kurse bewegen. In solchen Zeiten kann es hilfreich sein, sich bewusst zu machen, dass Schwankungen bei langfristig orientierten Kapitalanlagen nichts Ungewöhnliches sind. Zudem sollte man sich nicht von kurzfristigen Stimmungen bei seinen Anlageentscheidung beeinflussen lassen. Auch wenn der Ausgang am Ende für die meisten Marktteilnehmer überraschend war, schließlich deuteten die letzten Umfragen auf einen Verbleib Großbritanniens in der EU hin, hatten politische Ereignisse die Börsenentwicklung nie wirklich lange beschäftigt.

Für langfristige Investoren, die bereits über ein breit diversifiziertes Depot verfügen, lautet die wichtigste Devise besonnen zu reagieren. Hektische und unüberlegte Entscheidungen sind immer schlechte Ratgeber und führen meist zu Fehleinschätzungen. In Zeiten großer Verunsicherungen profitieren zumeist die Kurse der als sicher geltenden Anleihen. Auch Gold- und andere Edelmetalle profitieren als   sichere Häfen und führen so zu einer Glättung der Gesamtentwicklung in einem Depot. Dennoch lassen sich temporäre Kursrückgänge, je nach Anteil Ihrer Aktienquote, nicht ganz vermeiden. Daher kann ein Gespräch mit Ihrem Berater, sowie eine gemeinsame Überprüfung der aktuellen Anlagestrategie grundsätzlich sinnvoll sein. Schließlich können sich in solchen Phasen auch Opportunitäten ergeben.