„Wir gehen davon aus, dass wir in einer Phase enorm gestiegener Volatilität die Ruhe bewahren müssen. Ein Grund dafür ist, dass politische Ereignisse – und seien Sie noch so bedeutsam – historisch betrachtet auch schnell wieder von der Tagesordnung verschwinden können. Ein weiterer Grund ist die Zuversicht und das Vertrauen darauf, dass sich die beteiligten Länder bemühen werden, den wirtschaftlichen Schaden so gering wie möglich zu halten. Eine langfristige Anlagestrategie sollte grundsätzlich nicht auf kurzfristige Ereignisse ausgerichtet sein. Vielmehr könnten diese auch eine besondere Chance für taktisch orientierte Anleger bedeuten.“

Mit diesen Worten haben wir unseren Marktkommentar am 28. Juni in der Woche nach dem „Brexit-Referendum“ beendet. Dass wir damit in der so kurzen Zeit Recht behalten sollten, war auch für uns überraschend. Der Dax konnte sich vom Tief bei 9.214 Punkten auf zwischenzeitlich 10.802 Punkte (am 15. August) erholen. Das sind ca. 17 % in der Spitze im Dax und er erreichte damit zugleich ein neues Jahreshoch. Auch die Entwicklung des Eurostoxx50 konnte sich sehen lassen. Der europäische Leitindex stieg seitdem um ca. 15 %. Am US-Aktienmarkt kam es Mitte August sogar zu historischen Rekordhöchstständen. Der Dow Jones notierte zwischenzeitlich bei 18.668 Punkten und der US-Technologieindex Nasdaq-100 konnte ein Rekordhoch von 4.838 Punkten erreichen. Auch an den asiatischen Märkten ging die Erholung in diesem Sommer weiter. Der japanische Nikkei Index sowie der für China bedeutende Hang Seng Index konnten um 15 % bzw. 17 % zulegen. Aktuell bewegen sich die weltweiten Aktienindizes wieder ein wenig richtungslos vor sich hin und warten auf neue Impulse von der Unternehmens- wie auch Notenbankseite. Die US-Notenbank FED hat bisher entgegen anfänglicher Ankündigungen den Leitzins auf 0,25-0,5 % belassen. Sie begründete die vorsichtige Haltung vor allem mit nicht ausreichend stabilen US-Arbeitsmarktdaten sowie einem schwachen Inflationsumfeld. Die Verunsicherung durch das Brexit-Referendum trug ebenfalls zur Entscheidung bei. Eine Zinserhöhung von 0,25 % wird von den meisten Marktbeobachtern für die Septembersitzung erwartet. Vor diesem Hintergrund entwickelten sich die Edelmetallpreise nach einer imposanten Rally seit Anfang des Jahres wieder ein wenig zurückhaltender. Der Goldpreis bewegt sich seit Ende Juni richtungslos in einer Bandbreite zwischen 1.312 USD und 1.375 USD. Was den Ölpreis anbetrifft, so können wir in den vergangenen Wochen auf eine Korrektur von knapp 20 % zurückblicken, von der sich der Kurs allerdings fast gänzlich wieder erholen konnte. Somit blieben die Märkte trotz der zahlreichen politischen Ereignisse sowie des historisch betrachtet eher schwachen Börsenmonats August durchweg stabil. In Europa scheint man sich mit der Gewissheit eines Brexit angefreundet zu haben. Die Marktteilnehmer halten die Auswirkungen für Europa und die Märkte für überschaubar. Der Aktienmarkt gilt nach Ansicht einiger Fondshäuser bereits als teuer, da die Unternehmensgewinne nicht mehr im selben Umfang mitwachsen. Eine stärkere Korrektur sei daher nicht ausgeschlossen. Andere wiederum argumentieren, dass es bis Jahresende aufgrund der teuren Bewertung anderer Anlageklassen wie Anleihen und Immobilien zu weiteren Kurssteigerungen kommen sollte. Zumal das Chance-Risiko-Verhältnis nach wie vor für ein Aktieninvestment spräche. Wie immer gibt es für beide Lager schlagkräftige Argumente und dementsprechend bleibt nur eins – auf weiteres Wachstum zu setzen, aber auf eine Korrektur vorbereitet zu sein.